Ausflugstipp: Geotop Glaubenberg

Auf erdgeschichtlichen Spuren

Die Wohlstandshunde besuchen das Geotop Glaubenberg bei Harburg

„Ok. Wie ein bahnbrechendes, erdgeschichtliches Ereignis sieht das hier jetzt aber echt nicht aus“, denke ich beim Aussteigen aus dem Auto, nachdem ich den braunen Hinweisschildern mit der Aufschrift „Geotop Glaubenberg“ gefolgt war und nun mit den Wohlstandshunden am Sportheim von Großsorheim ankomme. „Hm. schnieker Rasen, gepflegter Tennisplatz, geteerter Parkplatz – spannend – nicht.“ Wir sind am A... nde der Welt gelandet. Louni guckt mich fragend an. Klimt denkt pragmatisch und hebt erst mal sein Bein an einem Pfosten. Oh, ich Banause! Von wegen einfacher Pfosten. Der gehört zu einem Hinweisschild, das als Infotafel den Startpunkt des Lehrpfades zum Geotop Glaubenberg markiert.


Doch von vorne, also gaaaanz von vorne meine ich: 14,5 Millionen Jahre ist es her, als ein Asteroid mit einem Kilometer Durchmesser und einer Geschwindigkeit von über 70.000 km/h auf die Erde zuraste. Zahlen die einen Kopfzerbrechen bereiten und ein wenig an die Unendlichkeit glauben lassen. Das Resultat dieses Einschlags ist noch heute zu sehen. Und zwar nicht etwa in irgendeinem Ozean oder weit entfernt in einem von Wetterkapriolen geprägten Landstrich, sonder mitten in Deutschland, mitten in Bayern. Durch den Einschlag dieses kosmischen Körpers – auch „Riesereignis“ genannt - ist das Nördlinger Ries entstanden. Das flache, weitgehend unbewaldete Kraterbecken mit seinen 25 km Durchmesser, einer Fläche von 1.800 km² und dem bis zu 150 m hohen Kraterrand gilt als der best erhaltenste Krater Europas. Der größte Teil liegt in Bayern, ein kleiner in Baden-Württemberg. Der Krater ist mit 53 Gemeinden dicht besiedelt. Natürlich sieht man unter den Straßen und Gemeinden, die entstanden sind nicht mehr viel von dem erdgeschichtlichen Ereignis und seinen Auswirkungen auf die Flora und Fauna von heute. An einigen, besonderen Stellen jedoch treten die geologischen Prozesse noch zu Tage und erzählen dem Betrachter von der Erdgeschichte. Bei diesen „Schaufenstern in die Erdgeschichte“ handelt es sich um sogenannten Geotope. Sie sind mit beschilderten Wanderwegen und Info-Tafeln für den Tourismus erschlossen.


Und eines dieser Geotope – um genau zu sein das Geotop Glaubenberg – haben die Wohlstandshunde erkundet. Der Rundweg ist knapp 3 Kilometer lang und startet am Sportheim von Großsorheim, einem Ortsteil der Stadt Harburg im Landkreis Donau-Ries im Regierungsbezirk Schwaben in Bayern. Vom Sportheim aus geht es erst mal wieder zurück Richtung Dorf. Wir folgen den gelben Hinweisschildern und treffen auf eine Weide mit Pferden. Die treten bei unserem Anblick die Flucht an. „Geil!“, denkt sich Klimt und brettert in die Leine. Die Pferde besinnen sich und kommen neugierig zurück. „Ups, Mist, die sind ja doch ganz schön groß. Ich ignoriere die jetzt einfach“, entscheidet Klimt. Ich verdrehe die Augen und entdecke das nächste Hinweisschild. Wir biegen nach rechts ab.

Den kleinen Kerl haben wir im Steinbruch getroffen.

Am dritten Wegweiser laufen wir zunächst vorbei, weil er blöderweise im Straßenraben liegt. Da wir aber so unglaublich weitsichtig waren und uns die Route am Hinweisschild des Parkplatzes einigermaßen eingeprägt hatten, wissen wir, dass es nachts links weitergeht. Wir überwinden eine leichte Steigung und unerwartet tut sich ein Plateau unterhalb einer circa 15 Meter hohen Steilwand auf. Es ist gleich windstill, man hört nur einige Vögel. Sonst sind wir völlig allein in dieser unwirklichen Landschaft. Die Gesteinsschichten, die sich an der im 90-Grad-Winkel aufsteigenden Felswand abzeichnen machen sogar mich, als Erdkunde-Laien neugierig. Gut, dass es einige Info-Tafeln gibt. Die erste ist gespickt mit Regeln. So sind Hunde zum Beispiel an der Leine zu führen. Das Klettern abseits der Wege ist ebenfalls verboten. Doch die nächsten Info-Tafeln verraten mehr über das Geotop Glaubenberg. Bei dem Kessel, in dem wir stehen handelt es sich um einen ehemaligen Steinbruch, wo die Stadt Harburg Wegematerial abgebaut hatte. Die Abbruchkante, die ich in meiner Unwissenheit zunächst als Felswand bezeichnet habe, besteht größtenteils aus ortsfremden Schollen. Diese wurden mit dem Asteroideneinschlag durch die Luft geschleudert oder verschoben und kamen hier zum Erliegen. Die Folge ist ein geologisches Puzzle: 250 Millionen Jahre alte Schollen liegen neben wesentlich jüngeren aus dem Trias und Jura. Auch ein ehemaliges Flußbett ist rechts in der Abbruchkante zu erahnen. Vermutlich handelt es sich um einen Zufluß der Ur-Wörnitz, der sich erst nach dem Einschlag gebildet hatte.


Folgt man dem Lehrpfad weiter, biegt man nach rechts ab und hat wieder einen freien Blick auf die Felder sowie das kleine Dorf Möggingen. Das Gelände ist übersichtlich, sodass die Wohlstandshunde leinenlos laufen dürfen. Doch fast hätten wir beim Weitergehen eine weitere geologische Besonderheit übersehen. Etwas versteckt rechter Hand erkunden wir eine ortsfremde Scholle aus eisenoxidreichem Sandstein des Mitteljura. Dabei handelte es sich vor etwa 170 Millionen Jahren um Meeresgrund. Tatsächlich reichte das Meer damals bis nach München. Klimt findet es super spannend und beginnt zu buddeln. Na, toll, jetzt will der kleine Trottel doch echt ein erdgeschichtliches Erbe zerstören oder was?! Also Leinen wieder dran. Dass er aber nicht der einzige ist, der den Untergrund klasse findet, zeigen mehrere höhlenartige Gänge, die in die Wand führen. Ich tippte erst auf Fuchs oder ein marderartiges Tier, erfuhr dann aber, dass es sich um Sand- und Pelzbienen handelt, die hier ihre Nester bauen. Die reichen übrigens bis zu 65 cm weit in die Erde hinein.

Klimt kurz bevor ich ihm im eisenoxidreichen Untergrund beim Buddeln erwischte...


Der Rückweg führt schließlich relativ unspektakulär an Wiesen und Felder vorbei wieder zum Parkplatz. Mit Stehenbleiben, Gucken und Lesen haben wir eine gute Stunde gebraucht. Wasser in unmittelbarer Nähe, gibt es keins. Daher würde ich Sommer auf jeden Fall etwas für die Hunde mitnehmen. Sollte sich der Hund an den Geologischen Besonderheiten lösen, würde ich das wegmachen. Also auch die Kotbeutel nicht vergessen. Die Infotafel empfiehlt festes Schuhwerk. Ich habe es aber auch mit meinen alten Sneakers geschafft.

Das wichtigste zum Geotop Glaubenberg in aller Kürze:

  • Ausgangspunkt Parkplatz des Sportheims Großsorheim bei Harburg
  • Länge: 2,7 Kilometer
  • Dauer: 1 – 1 ½ Stunden
  • Die Gesteinsschichten zeigen eine chaotische Lagerung – hier wurde die natürliche Ordnung im Verlauf des Ries-Ereignisses durcheinander gebracht. 4 Ereignistafeln erläutern die geologischen und naturkundlichen Details des Geotops
  • Hund sind erlaubt, aber zumindest in unmittelbarer Nähe der beiden geologischen Besonderheiten an der Leine zu führen.

Mehr Infos zum Geotop Glaubenberg und zu weiteren Lernpfaden des Geopark Ries gibt es auch hier.

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